Während alle Welt gebannt auf Amerikas unheilvolle Verstrickung
im Nahen und Mittlere Osten blickt, bahnen sich die weltpolitischen
Konflikte der Zukunft anderswo an. „Das Gravitationszentrum der
Politik verschiebt sich in den pazifischen Raum“, beobachtet der
ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger. Der unaufhaltsame
Aufstieg Chinas zur Weltmacht weist die Supermacht USA schon jetzt
in die Schranken.
Mit der ihm eigenen visionären Kraft richtet Peter Scholl-Latour
seinen Blick nach Fernost und beschwört die gigantischen machtpolitischen
Kraftproben, die hier in naher Zukunft zu gewärtigen sind. Dabei
greift er auf Erfahrungen zurück, die er seit dem Koreakrieg vor
fünfzig Jahren in diesem Teil der Welt gemacht hat. Schon damals
scheiterte Amerikas Expansionsfähigkeit an der eben erst gegründeten
Volksrepublik.
Peter Scholl-Latour ist an die Brennpunkte dieser Region zurückgekehrt, nach Nordkorea, das die Welt mit seinen unklearen Drohungen in Atem hält und das er als einer der wenigen westlichen Journalisten ausgiebig bereisen konnte; und nach Vietnam, bis heute Amerikas Trauma, wo er General Vo Nguyen Giap, Sieger über Franzosen und Amerikaner, in Hanoi aufgesucht hat. Auch den Irak hat er jüngst erneut besucht. Eindringlich schildert er eine amerikanische Besatzungsmacht, die sich überwigend selbst schützen muß, und ein Land in Chaos und Auflösung, in dem die schiitischen Kräfte als Wahlsieger ihre Vormacht zu etablieren suchen. Das Fazit dieser eindrucksvollen Tour d´horizon: Schneller als erwartet wird sich Amerika als Koloß auf tönernen Füßen erweisen, wird der heikle Spagat zwischen Nahem und Fernem Osten die Grenzen amerikanischer Macht offenbaren.
17. September 2005